ALICE “LABYRINTH” - SPANNUNGSRÄUME
Auftraggeber: HanseNet Telekommunikation GmbH / Alice – Agentur: VCCP Berlin - Produktion: Wanda Production (fr) - Regie: Luzian Schlatter - Kamera: Pascal Walder - Szenenbild: Sven Gessner
Jeder kennt es: Als Telefonkunde hat man das Gefühl, in einem unübersichtlichen Dschungel zu stecken, wenn Verkäufer einem
einen Tarif zu erklären versuchen. Obwohl jeder Verkäufer verspricht, die bisherige Verwirrung aufzulösen, endet man doch in der Regel bei einem DSL-Flat-Rate-Tarif mit Sonderrabatt für Silberkunden und Aufschlag bei gesicherter Bandbreite, dazu gesellen sich Navigationsflatrate, ein Datentarif fürs Handy und eine wechselnde Pauschale für das analoge Festnetztelefon: Fertig ist das übliche Tarifwirrwarr.
Die ursprünglich aus Hamburg stammende Firma Hansenet/ Alice hatte von jeher darauf gesetzt, Telefontarife zu vereinfachen. Bei ihrer neuen 360°-Kampagne “Wer frei sein will kommt zu Alice” wollte sie genau das thematisieren:
Alice (Testimonial Vanessa Hessler) führt die subjektive Kamera stellvertretend für den Kunden aus einem unübersichtlichen Labyrith hinaus in eine gigantische, weiße Ebene; wo endlich alles klar ist und wo es keine Tarif-Fragen mehr gibt.
Der Szenenbildner Sven Gessner entwarf hierfür ein Labyrinth aus großen, weißen Wandelementen; es sollte 6 Meter hoch und rund 115 laufende Meter lang sein.
Um beim Dreh noch ein paar Labyrinth-Windungen mehr zu erzählen, musste der Mittelteil flexibel stellbar sein. Am Ausgang des Labyrinths musste eine sehr große Weite für den finalen Topshot erzeugt werden. Die Hohlkehle, die dies ermöglichen sollte, hatte entsprechend gigantische Ausmaße: Sie musste 30 Meter lang und 20 Meter breit sein. Die Oberfläche des weißen Baus sollte sowohl abstrakt als auch warm wirken, weshalb der Architekt darauf bestand, dass man ein Material finden müsse, dass weder glänzte, noch matt war.
Udo Reinschke machte sich auf die Suche: Rund 10 Stoffproben wurden herangeschafft und getestet. Gemeinsam mit dem Filmarchitekten wurden mit Taschenlampen ausgeleuchtete Miniatursets fotografiert und eine Auswahl an den Regisseur und den Kameramann geschickt.
Am Ende entschied man sich gemeinschaftlich für eine Folie, die üblicherweise für Großplakate benutzt wird. Es galt nun noch die konstruktiven und die logistischen Probleme zu lösen:
Da die Folie dafür ausgelegt ist, gespannt zu werden, lag es nahe, sie vom Kooperationspartner “Big Image” ösen zu lassen und mittels Spanngurten über Lattenkonstruktionen stramm zu ziehen. Um einen unerwünschten Lichteinfall zu verhindern, mussten die Baukörper rückseitig verdunkelt werden.
Da für das Finden des Materials bereits drei Tage verbraucht worden waren, war der Zeitplan nunmehr sehr eng: Binnen sieben Tagen musste das Set stehen und außerdem musste noch Baumaterial vorbereitet und geordert werden.
Die Projektleiter Udo Reinschke und Sabine Settekorn entschieden sich deshalb für ein Zwei-Schichtensystem, sodass die Filmbauarbeiter mit Pause Tag und Nacht arbeiteten.
Die Bespannungsarbeiten leitete Tom Ebel und es zeigte sich, wie spannend Bespannungsarbeiten sein können: Teilweise mussten die Baukörper relativ komplex werden und es war bei einigen nötig, den Stoff um drei Ecken herum stramm zu ziehen. Dies wiederum bedeutete, dass die Anbringung der Gurte eine Wissenschaft für sich war und das Gefüge der einzelnen Spannungen sehr fein aufeinander abgestimmt werden musste, wenn man verhindern wollte, dass sich Falten bildeten.
Weniger geübten Bauleuten konnte es passieren, dass die Spannung auf so einen komplexen Latten-Baukörper zu groß wurde. Dann brachen die haltenden Latten und der gesamte Baukörper konnte sich umstülpen, sodass die Innenfläche plötzlich außen war.
Dank der versierten Anleitung von Tom passierte dies jedoch nur selten und nach und nach wurde aus dem Filmbauarbeiterteam ein eingespieltes Bespannungsteam, das schon bald den Eindruck machte, es habe seit Jahren gar nichts anderes hergestellt als komplexe Stoffbespannungen, die im fertigen Commercial stabil wie Betonwände wirken.
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